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Julius Maggi, der Gründer der Marke, die immer noch seinen Namen trägt, hatte einen Traum: Er träumte in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts von der Entwicklung von Lebensmitteln, die genauso omnipräsent werden sollten wie Salz und Pfeffer – Nahrungsmittel, die Arbeiter für einen fairen Preis ernähren konnten und eine Marke, die niemand jemals vergessen sollte.

Heute ist die Marke Maggi mit ihren Gewürzen, Suppen und Brühen eine von Nestlés Milliarden Dollar Marken. Mit den unverwechselbaren roten und goldenen Farben auf der Verpackung und der Bekanntheit seines Namens auf der ganzen Welt, war der Erfolg von Julius Maggi größer, als er sich ihn in seinen wildesten Träumen hätte vorstellen können.

Das Unternehmen von Julius Maggi – dem Sohn eines in Italien geborenen Mühlenbesitzers – befand sich in einem schweizerischen Dorf, in der Nähe von Zürich und produzierte Weizenmehl. Nicht viele wissen, dass Julius Maggi auch von der Hellseherei fasziniert war und Berichten zur Folge daran glaubte, dass er sogar in die Zukunft sehen könne.

 

Er war zweifelsohne ein scharfsinniger und visionärer Geschäftsmann. Er erkannte, wie die Veränderungen in der Arbeitswelt die Nahrungsgewohnheiten der Menschen beeinflussten. Frauen, die üblicherweise das Essen für ihre Familien zubereiteten, verbrachten immer mehr Zeit an den Arbeitsplätzen, wie beispielsweise in Fabriken und weniger Zeit in der Küche. Julius Maggi erkannte, dass sie Essen benötigen würden, das nahrhaft und sättigend war und schnell zubereitet werden konnte. Im Jahr 1882 traf er einen Arzt der genauso vorausschauend dachte wie er. Es war eine Begegnung, welche die Zukunft seines Unternehmens und die Art und Weise wie Millionen von Menschen kochen verändern sollte.

Potenzial der Hülsenfrucht

Dr. Fridolin Schuler glaubte daran, dass es eine Verbindung zwischen Mangelernährung, schweren Erkrankungen und Kindersterblichkeit geben müsse. Er gehörte der Swiss Public Welfare Society an, deren Ziel es war, dass Leben der Berufstätigen im Land zu verbessern. Nahrhaftes Fleisch war jenseits deren spärlichen Budgets, aber Dr. Schuler war davon überzeugt, dass Hülsenfrüchte – reich an Nährstoffen und einfach zu verdauen – die Lösung seien.

Inspiriert von diesen Prinzipien und mit der Vision des Potenzials dieses zukünftigen Markts, ist Julius Maggi entschlossen, ein neues, aus Hülsenfrüchten bestehendes, Mehl zu kreieren. Nach zwei Jahren Recherche brachte er gemahlene Erbsen- und Bohnenmehle heraus. Daraufhin folgten 1885 die ersten löslichen Suppen. Anschließend, im Jahr 1886, führt er die Maggi Würze ein, eine konzentrierte flüssige Bouillon, als Basis für Kraftbrühen, Suppen und Soßen. Es war das erste Produkt dieser Art, das den Geschmack des Essens verbesserte.

 

Julius Maggi war ein unermüdlicher Erfinder – er entwickelte Instantsuppen mit Curry- oder dem damals beliebten Mockturtlegeschmack. Ebenso ergänzte er die Maggi Würze mit Trüffelaroma. Aber auch die traditionellen Brühen auf Pflanzenbasis gehörten weiterhin zum Angebot.

Mit diesen Produkten erzielte er einen unmittelbaren Erfolg, sodass Julius Maggi damit begann, international zu expandieren. Im Jahre 1888 eröffnete er Niederlassungen und Schwestergesellschaften in Deutschland, Frankreich, Italien, dem Vereinigten Königreich und den USA.

Kreuze und Farben

Julius Maggi erkannte die Bedeutung einer ausgeprägten Markenidentität, um die Loyalität der Konsumenten zu gewinnen.

 

Um 1900 hat Julius Maggi seine Unterschrift und Variationen seines Namens in verschiedenen Schriftbildern in mehreren Ländern eintragen lassen. In der Schweiz schützte er nicht weniger als 18 verschiedene Variationen seines Namens – alles von Magi bis Magique – um Nachahmer abzuhalten.

Von Beginn an waren die Maggi Produkte und Werbematerialen sofort durch ihre tiefroten, goldgelben und schwarzen Farbenidentifizierbar. Noch heute tragen viele Maggi Produkte, die in Afrika verkauft werden, das von ihm entworfene Kreuz-Stern Symbol.

PR-Pionier

Julius Maggi investierte außerdem in die Werbung und war einer der ersten, der Emailschilder nutze, um diese an die Fassaden von Lebensmittelgeschäften zu hängen. Er beschäftigte junge Texter und Maler, wie Leonetto Cappiello, auch oft der „Vater der Werbung“ genannt. Viele von ihnen wurden bekannte Theaterautoren, Schriftsteller und Künstler.

 

Julius Maggi bemerkte außerdem die Werbemöglichkeiten auf öffentlichen Verkehrsmitteln – und so initiierte er Plakatkampagnen auf Straßenbahnen, Eisenbahnwaggons und in Paris sogar an den bateaux-mouches, die entlang der Seine fuhren.

Maggi Lieferwagen machten an Straßenecken Halt und verteilten gratis Kostproben der heißen Suppen und Bouillons. Außerdem führte er als einer der ersten, Treueprogramme für die Konsumenten ein, die dadurch von einer Kaffeemaschine bis zum Schränkchen im japanischen Stil alles erwerben konnten.

Der klassische „Kub“

Die Brühwürfel bleiben das Kult-Produkt aus dem Hause Maggi. Er formte seine Instantbrühe in einen perfekten Würfel, wickelte ihn in die unverwechselbaren Markenfarben und taufte es „Bouillon Kub“. Er ermutigte Konsumenten dazu „das K zu verlangen!“ Das war eine so brillante Idee, dass sie von Konkurrenten kopiert wurde. Ein paar Jahre nach der Markeneinführung, wurde der Würfel zu einem Symbol dieser Zeit, so dass der Bouillon Kub sogar in einem Gemälde von dem kubistischen Künstler Pablo Picasso auftauchte.

Als die Marke im Jahre 1947 von Nestlé erworben wurde, kam dies einer logischen Vereinigung gleich: Die beiden Schweizer Unternehmen teilten ein richtungsweisendes und visionäres Konzept für Lebensmittel.

 

Genau wie es sich Julius Maggi vorgestellt hatte, sind seine Produkte weltweit allgegenwärtig. Und genau wie die traditionellen getrockneten Suppen, die die europäische Arbeitsgesellschaft ernährte, sind die modernen Maggi Produkte für Entwicklungs- und Schwellenländer mit Mikronährstoffen sowie Eisen angereichert.