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Nachhaltige Beschaffung von Haselnüssen

Haselnüsse

Wir beziehen jährlich Tausende Tonnen Haselnüsse. Sie sind eine wichtige Zutat für viele unserer Lebensmittel und Getränke, darunter Süsswaren – insbesondere Schokolade –, Gebäck und Speiseeis. Sie werden nicht nur im Ganzen verwendet, sondern können auch geröstet, pulverisiert und püriert werden.

Die Lieferkette für Haselnüsse birgt ernsthafte Herausforderungen, besonders in Bezug auf die Arbeitsbedingungen und das Risiko von Kinderarbeit. Wir kooperieren eng mit Partner:innen und Regierungen, um diese Probleme anzugehen.

So gehen wir die Herausforderungen an

Der Grossteil unserer Haselnusslieferungen stammt aus der westlichen und östlichen Schwarzmeerregion der Türkei, dem weltweit grössten Erzeuger, aber auch aus Spanien, Italien und Aserbaidschan. Wir kaufen nicht direkt bei den landwirtschaftlichen Betrieben ein, sondern arbeiten mit Lieferant:innen zusammen, die die Haselnüsse über eine Kette von Zwischenhändler:innen beziehen.

Um die Herausforderungen entlang unserer Lieferkette zu erkennen und diese zu bewältigen, führen wir Folgenabschätzungen durch. Damit möchten wir die Bedürfnisse der Gemeinden, von denen wir unsere Haselnüsse beziehen, besser verstehen.

Die Analysen haben gezeigt, dass es notwendig ist, sichere und gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Arbeiter:innen zu schaffen, insbesondere für die vielen temporären Arbeitsmigrant:innen. Und sie haben bewiesen, dass es Kinderarbeit gibt.

Um die Folgenabschätzungen durchzuführen und Programme und Initiativen zur Verbesserung der Situation zu entwickeln, arbeiten wir mit den Lieferant:innen, lokalen Gemeinden und Regierungen sowie mit Implementierungspartnern (Fair Labor Association (FLA) in der Türkei und Verité in Spanien und Italien) zusammen.

Zugunsten der branchenweiten Transparenz haben wir die Liste unserer Lieferant:innen, ihrer Abbaustätten zusammen mit ihren Herkunftsländern veröffentlicht.

Soziale Folgenabschätzungen – und ihre Folgen

Seit 2011 arbeitet Nestlé mit der FLA zusammen, um die Arbeitspraktiken im türkischen Haselnusssektor zu untersuchen. In Kooperation mit unseren Lieferanten Olam Progida, Balsu und Yavuz, der türkischen Regierung sowie lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben wir Verbesserungsmassnahmen durchgeführt, um die Arbeitsstandards in diesem Sektor systematisch zu optimieren.

Wir konzentrierten uns dabei auf Massnahmen mit sozialen Auswirkungen in den Bereichen Ausbildung, Instandsetzungen und Sommerschulen für Kinder.

Im Rahmen dessen kommen wir Vorschlägen nach und schulen die Arbeitnehmer:innen z. B. an ihren Herkunftsorten. Und zwar in den ruhigeren Monaten, wenn sie mehr Zeit und Energie haben. Ausserdem werden Beratungsgespräche in Fragen rund um Gehälter, Arbeitszeiten sowie Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz geführt.

Mann und Frau betrachten Haselnussstrauch

Für Menschenrechte und höhere Lebensstandards von Arbeitnehmer:innen und Kindern

Ein ernsthaftes Problem in unserer Haselnusslieferkette ist das mangelnde Bewusstsein für die Rechte der Arbeitnehmer:innen. Balsu, einer unserer wichtigsten türkischen Haselnuss-Zulieferer, arbeitet daher mit lokalen Behörden, Universitäten, der türkischen Arbeitsagentur und dem Landwirtschaftsministerium zusammen, um den Arbeitnehmer:innen und Lohnunternehmer:innen wichtige Schulungen anzubieten.

Das aus der Zusammenarbeit entstandene Programm vermittelt den Teilnehmer:innen die wichtigsten Aspekte der Lebens- und Arbeitsbedingungen, die ihnen zustehen. Dazu zählen Themen wie Unterkunft, Hygiene, sanitäre Einrichtungen und Ernährung. Gleichzeitig werden die wichtigsten Fragen rund um Löhne, Arbeitszeiten, Verträge, soziale Sicherheit sowie Beschwerde- und Unterstützungsverfahren geklärt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verhinderung von Kinderarbeit und auf der Umsetzung von fairen Verträgen für die Arbeitnehmer:innen.

Unser Lieferant Olam Progida erarbeitete im Zuge der Einführung des Programms legale Verträge zwischen Farmbesitzer:innen, Lohnunternehmer:innen und saisonalen Arbeitsmigrant:innen. Diese bedeuten einen Umbruch in der Haselnusslieferkette, da sie die Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter:innen verbessern und ihre Arbeitsrechte schützen, was in der Türkei eine grosse Herausforderung darstellt. Olam Progida führt dieses Projekt in Zusammenarbeit mit dem türkischen Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales durch. Nach Abschluss des Prozesses sind die Rechte der Arbeitnehmer:innen durch registrierte legale Verträge der nationalen Arbeitsagentur geschützt.

Die Vorschrift, dass die Geburtsdaten der Arbeitnehmer:innen bei der Registrierung angegeben werden müssen, wird dazu beitragen, das Risiko der Kinderarbeit zu minimieren.

Aufgrund des Mangels an Bildungsressourcen und -einrichtungen haben die Kinder von Saisonarbeiter:innen in der Landwirtschaft oft Nachteile in der Schule, vor allem während der Haupterntezeiten.

Seit 2012 arbeiten wir mit der Internationalen Arbeitsorganisation und dem türkischen Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales an dem Projekt „Sommerschulen“. Das Projekt wurde zunächst in der Provinz Ordu in der östlichen Schwarzmeerregion ins Leben gerufen und inzwischen ausgeweitet. Unsere Sommerschulen sollen dazu beitragen, die Risiken der Kinderarbeit in der Haselnusslieferkette in der Türkei zu beseitigen.

Die Studie der FLA hat uns gezeigt, dass unsere Bemühungen gegen Kinderarbeitsrisiken erfolgreich waren. Vor allem in den Dörfern mit Sommerschulen ist die Zahl der Kinder, die Kinderarbeit verrichten, im Vergleich zu den Dörfern ohne Sommerschulen zurückgegangen. Schulungen über Arbeitsrechte und verantwortungsvolle Rekrutierung schärften das Bewusstsein der Arbeitergemeinschaft und führten zur Zertifizierung von Arbeitsvermittler:innen sowie zur Anwendung von Verträgen zwischen Landwirt:innen, Arbeitenden und Arbeitsvermittler:innen – eine bisher unbekannte Praxis im traditionell sehr informellen Agrarsektor.

Unsere Sommerschulen vermitteln den Kindern nicht nur die dringend benötigte Bildung, sondern sensibilisieren auch die Lehrenden und Dorfbewohner:innen für das Thema Kinderarbeit. Während der Pandemie haben wir Massnahmen ergriffen, um für kleinere Gruppen von Kindern sichere Räume zu schaffen, und ihnen Lernpakete mit Büchern und Stiften geschickt.

Im Allgemeinen sind die Menschen in der Haselnussproduktion nicht ausreichend für soziale und landwirtschaftliche Fragen sensibilisiert, insbesondere was geschlechtsspezifische Arbeitsverhältnisse und das Risiko von Kinderarbeit betrifft. Ausserdem muss den Menschen geholfen werden, ihr Einkommen zu steigern.

Unser Lieferant Olam Progida hat das Programm „Women on the Road“ angestossen, das jährlich Hunderte von Frauen und Männern erreicht hat. Ziel des Projekts ist es, die wichtige Rolle der Frauen in der Lieferkette hervorzuheben und sie durch Schulungen über ihre Rechte zu stärken. Die Informationen konzentrierten sich auf Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz, Rechte im Bereich der reproduktiven Gesundheit, Kinderrechte, Karriere und Geschäftsleben.

Geschlechterstereotypen sind unter den Arbeitnehmer:innen in unserer Haselnusslieferkette weit verbreitet. Wenn jedoch Rollen und Verantwortlichkeiten durch das Geschlecht und nicht durch Fähigkeiten und Ehrgeiz bestimmt werden, sind Mädchen in der Bildung und Ausbildung sofort benachteiligt.

Unser Zulieferer Olam Progida hat ein Projekt ins Leben gerufen, um ein neutrales Umfeld zu schaffen, in dem Mädchen gemeinsam mit Jungen lernen und spielen und an traditionell von Männern dominierten Aktivitäten wie Fussball und Wissenschaftsmessen teilnehmen können. Ziel war es, Geschlechterstereotypen aufzubrechen und den Kindern einen sicheren Raum zu bieten, damit sie nicht während der Ernte auf den Farmen arbeiten müssen.

Da es sich bei vielen Arbeitenden in der Haselnussernte um Saisonkräfte handelt, muss sichergestellt werden, dass sie angemessene Lebensbedingungen vorfinden und Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Im Rahmen unseres Programms zur verantwortungsvollen Beschaffung von Haselnüssen mit unserem Lieferanten Olam Progida haben wir die Lebensbedingungen der Arbeitenden verbessert.

In Kooperation mit den örtlichen Dorfvorsteher:innen haben wir einige Gebäude restauriert und ausgebaut, die während der Erntezeit Dutzenden von saisonalen Wanderarbeiter:innen als Wohnräume dienen.

Ausserdem haben wir mobile WCs und Duschen installiert, die über hundert Menschen während der Erntesaison Zugang zu sanitären Einrichtungen bieten.

Kooperationen für eine nachhaltigere Versorgung mit Haselnüssen

Wir unterstützen ein Projekt mit dem Titel „Harvesting the Future - Responsible Recruitment of Seasonal Migrant Agriculture Workers in Türkiye”. Das Projekt, das sich nun in seiner zweiten Phase befindet, wird von der Fair Labor Agricultural Alliance geleitet, einer von der FLA initiierten Kooperationsplattform. Die Aktivitäten finden in Zusammenarbeit mit der Sustainable Agriculture Initiative Platform und anderen landwirtschaftlichen Lieferant:innen in der Türkei sowie deren Abnehmer:innen statt.

„Harvesting the Future“ ist ein Gemeinschaftsprojekt, das darauf abzielt, die Einstellungs- und Beschäftigungspraktiken für Saisonarbeiter:innen im türkischen Agrarsektor zu verbessern. Diese Arbeitenden ziehen als Familien sechs bis acht Monate im Jahr von Ernte zu Ernte. Das Programm soll ihre Arbeits- und Lebensbedingungen aber auch darüber hinaus verbessern. Zudem werden die Ursachen von Kinder- und Zwangsarbeit während des gesamten Migrationszyklus‘ bekämpft. „Harvesting the Future“ soll praktische und nachhaltige Lösungen aufzeigen, die den Arbeitenden zugutekommen und von Landwirtschaftsunternehmen, Arbeitsvermittler:innen und Farmbesitzer:innen umgesetzt werden können.

In Zukunft soll sich das Projekt auf den Schutz von Kindern, die Beseitigung von Kinderarbeit und die Abschaffung gefährlicher Arbeit für Menschen unter 18 Jahren konzentrieren. Desweiteren werden eine bessere Grundversorgung, verantwortungsbewusste Einstellungsverfahren und Beschwerdemechanismen sowie die Einhaltung existenzsichernder Lohnstandards möglich gemacht bzw. optimiert.

Zwei Hände voller Haselnüsse
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