Beschaffung von Zucker
Zucker ist ein wesentlicher Bestandteil vieler Lebensmittel und Getränke, die wir herstellen.
Wir beziehen sowohl Zuckerrohr als auch Zuckerrüben von mehr als 160 Lieferanten und 60 Ländern. Gerade die Ernte von Zuckerrohr ist allerdings oft gefährlich und kann schwierige Arbeitsbedingungen mit sich bringen. Daher haben wir uns dazu verpflichtet, in Kooperation mit unseren Lieferanten für die Einhaltung der Arbeitsrechte, faire Löhne und Produktionsbedingungen sowie gegen Kinderarbeit zu kämpfen. Ausserdem kann die Zuckerproduktion auch mit dem Risiko der Abholzung von Wäldern verbunden sein.
Wie wir unsere Zuckerlieferkette verbessern – unser Fortschritt
Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt «Environmental Disclosures» unseres Non-Financial Statements 2025 (PDF in englischer Sprache, 16 MB)
Entwaldungsfrei
Entwaldungsfrei bedeutet, dass die betroffenen Rohstoffe auf Flächen produziert wurden, die nach einem bestimmten Stichtag weder entwaldet noch umgewandelt wurden. Dieser Stichtag variiert je nach Rohstoff, liegt jedoch spätestens am 31. Dezember 2020. Mehr über entwaldungsfreie Lieferketten erfahren.
Unser Weg zu verantwortungsvoll beschafftem Zucker
Eine entwaldungsfreie Zuckerlieferkette bleibt einer unserer zentralen Schwerpunkte. Mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit in unserer Zuckerlieferkette haben dazu beigetragen, dass wir im Jahr 2025 einen Anteil von 97,0 % erreicht haben. Um sicherzustellen, dass der von uns bezogene Zucker entwaldungsfrei ist, nutzen wir verschiedene Instrumente, darunter Lieferketten-Mapping, Vor-Ort-Prüfungen und Analysen mit geografischen Informationssystemen (GIS).
Zudem möchten wir Zucker von Mühlen beziehen, deren Betrieb sowie die beliefernden Farmen und Plantagen sowohl die lokalen Gesetze und Vorschriften als auch unsere Responsible Sourcing Core Requirements (PDF in englischer Sprache, 2 MB) einhalten. Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt «Environmental Disclosures» unseres Non-Financial Statements 2025 (PDF in englischer Sprache, 16 MB).
Analysen haben in einigen Herkunftsländern unseres Zuckers verschiedene Herausforderungen aufgezeigt, darunter Risiken im Zusammenhang mit Kinderarbeit, Arbeits- und Lebensbedingungen von Zuckerrohrarbeiter:innen sowie Umweltprobleme wie Entwaldung und den Einsatz von Agrarchemikalien. Gemeinsam mit unseren Lieferanten und Umsetzungspartnern wie Proforest arbeiten wir aktiv daran, diese Herausforderungen anzugehen.
Um die Transparenz in der Branche zu erhöhen, haben wir sowohl die Liste unserer Zuckerlieferanten (PDF in englischer Sprache, 800 KB) als auch die Liste der Mühlen in unserer Lieferkette veröffentlicht, jeweils inklusive ihrer Herkunftsländer.
Verantwortungsvolle Beschaffung
Für Nestlé bedeutet verantwortungsvolle Beschaffung, die Rückverfolgbarkeit unserer Zutaten zu verbessern und zu überwachen, wie sie produziert werden. Dazu gehört, unsere Umwelt- und Menschenrechtsanforderungen anzuwenden, die in unseren Responsible Sourcing Core Requirements (PDF in englischer Sprache, 2 MB) festgehalten sind, und zwar entlang aller Stufen unserer Lieferkette. Beispiele für diese Anforderungen sind, dass die Land- und Ressourcenrechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften respektiert werden und dass es in unserer Lieferkette weder zu Abholzung noch zur Umwandlung von Wäldern oder anderen Ökosystemen kommt. Mehr zu unseren Rohstoffen lesen Sie hier.
Erfassung und Bewertung unserer Lieferanten
Gemeinsam mit Proforest erfassen wir unsere Zuckerlieferkette und bewerten unsere Lieferanten, mit dem Ziel, den von uns bezogenen Zucker bis zu den Mühlen entlang unserer globalen Lieferkette zurückverfolgen zu können.
Der Bewertungsprozess umfasst unter anderem erste und umfassende Besuche vor Ort sowie die Analyse von Rückverfolgbarkeits- und Beschäftigungsdaten. Die Ergebnisse fliessen in die Entwicklung von Strategien ein, mit denen die Mühlen ihre Praktiken verbessern, Neuerungen einführen und geeignete Schulungen für ihre Zulieferer anbieten können.
Menschenrechte von Arbeiter:innen und Kindern schützen
Während der Erntezeiten arbeiten in vielen Ländern wie Côte d’Ivoire, Mexiko und Thailand zahlreiche Wanderarbeiter:innen in Zuckerrohranbaugebieten. Weil viele von ihnen nur für kurze Zeit vor Ort sind, entstehen in der Lieferkette besondere soziale Risiken.
Im Rahmen unseres Human Rights Frameworks und der dazugehörigen Roadmap haben wir für die wichtigsten Themen in unseren Lieferketten konkrete Aktionspläne entwickelt. Zu den zentralen Herausforderungen in der Zuckerlieferkette zählen Kinderarbeit und der Zugang zu Bildung, das Recht auf Wasser und sanitäre Versorgung sowie Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Diese Herausforderungen zeigen sich unter anderem in einem eingeschränkten Zugang zu sanitären Einrichtungen und sauberem Trinkwasser, beengten Wohnverhältnissen ohne ausreichende Privatsphäre, Kindern, die nicht zur Schule gehen und möglicherweise gefährlichen Bedingungen ausgesetzt sind, sowie einem mangelnden Zugang zu sicheren Arbeitspraktiken, etwa beim richtigen Umgang mit Chemikalien, deren Lagerung und Entsorgung.
Um diesen Risiken zu begegnen, haben wir verschiedene Massnahmen umgesetzt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen für Arbeiter:innen und Kinder in Mexiko.
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Nestlés Human Rights Framework and Roadmap Herunterladen (PDF in englischer Sprache, 5 MB) -
Nestlés Aktionsplan: Kinderarbeit und Bildung Herunterladen (PDF in englischer Sprache, 1 MB) -
Nestlés Aktionsplan: Zwangsarbeit und verantwortungsvolle Rekrutierung Herunterladen (PDF in englischer Sprache, 1 MB)
Da die Belegschaft auf Zuckerrohrplantagen in Mexiko häufig aus Migrant:innen besteht, die von ihren Kindern begleitet werden, ist das Risiko von Kinderarbeit ein sensibles Thema.
Gemeinsam mit Proforest arbeiten wir daran, dieses Risiko in unseren Zulieferbetrieben anzugehen, darunter auch bei Grupo Beta San Miguel (BSM).
BSM hat eine unternehmensweite Richtlinie entwickelt, um Kinderarbeitsrisiken in seiner Lieferkette zu reduzieren. Darüber hinaus wurden Programme eingeführt, um die Ursachen von Kinderarbeit zu erkennen und gezielt zu bekämpfen sowie das Bewusstsein für Kinderrechte zu stärken. Diese Massnahmen richten sich an Produzenten, Unterkünfte für Wanderarbeiter:innen, Leitungspersonen von Ernteteams und Mitarbeitende in den Mühlen.
Die Richtlinien werden in Arbeiterunterkünften und in der lokalen Gemeinschaft breit kommuniziert, unter anderem über Plakate und Banner. Im Rahmen dieser Massnahmen hat BSM zudem einen Due-Diligence-Prozess eingeführt, um das Alter der Beschäftigten zu überprüfen und zu verhindern, dass Kinder in der Feldarbeit eingesetzt werden.
Gemeinsam mit Proforest unterstützen wir unsere wichtigsten Zuckerlieferanten in Mexiko dabei, die Arbeitsbedingungen für Zuckerrohrschneider:innen zu verbessern. Dazu gehört unter anderem der Zugang zu ausreichend und sauberem Trinkwasser, Hygieneangeboten und Notfallausrüstung.
Mit Unterstützung von Proforest haben Nestlé und Grupo Beta San Miguel (BSM) ein Protokoll entwickelt, das als Leitfaden für die Verbesserung der Wohninfrastruktur für Wanderarbeiter:innen dient. Zusätzlich erhalten Arbeitskräfte, die über Drittanbieter angestellt sind, im Rahmen verantwortungsvoller Rekrutierungspraktiken Ausweiskarten. Diese sind entscheidend, um die soziale Absicherung der Beschäftigten sicherzustellen.
Ausserdem haben wir BSM bei der Umsetzung eines Programms zur Wasserversorgung in den Mühlen Casasano in Morelos, San Miguel del Naranjo in San Luis Potosi und Potrero in Veracruz unterstützt. Das Programm kommt den Menschen in den Unterkünften zugute, indem Wasserbehälter und Filter bereitgestellt werden, um die Wasserversorgung und -qualität zu verbessern. Darüber hinaus haben die Mühlen Systeme und Verteilanlagen installiert, um den Zugang zu Trinkwasser auf den Feldern für Zuckerrohrschneider:innen zu erhöhen. Während der heissesten Phase der Erntesaison werden zusätzlich isotonische Getränke bereitgestellt, um Dehydrierung vorzubeugen.
Zusammenarbeit mit Partnern und Regierungen
Wir arbeiten mit Kleinbauern und -bäuerinnen auf den Philippinen zusammen
Wir haben ein laufendes Multi-Stakeholder-Programm, das auf dem ACRES Framework (Agricultural Commodity Responsible Production and Sourcing) von Proforest basiert. Es hat das Ziel, Risiken zu adressieren und die Lebensgrundlagen von Zuckerrohrkleinbauern und -bäuerinnen in der grössten Zuckeranbauregion der Philippinen zu verbessern.
Die Bewertungen von Proforest haben verschiedene Nachhaltigkeitsrisiken ergeben. Darunter leider auch Kinderarbeit. Nestlé und Proforest kamen zu dem Schluss, dass das Framework «Responsible Sourcing for Smallholders» (RSS) den beteiligten Akteuren helfen kann, auf bestehenden Initiativen aufzubauen und eine klare Orientierung zu geben. Seitdem arbeiten wir aktiv an der Umsetzung des definierten Aktionsplans.
In Zusammenarbeit mit drei unabhängigen lokalen Mühlen, die alle aus demselben Pool von kleinen Zuckerrohrproduzent:innen beziehen, haben wir diesen Plan genutzt, um Massnahmen einzuführen, die zentrale Risiken wie Kinderarbeit, unzureichende persönliche Schutzausrüstung und das Verbrennen von Zuckerrohrresten adressieren.
Gleichzeitig berücksichtigen diese Massnahmen die Bedürfnisse der Landwirt:innen, etwa den Zugang zu Betriebsmitteln und Fachwissen, bezahlbare Finanzierungsangebote, Unterstützung bei alternativen Einkommensquellen wie Gemüsegärten sowie ein verbessertes Bodenmanagement einschliesslich Bewässerung.
Zusätzlich wurde im Rahmen von RSS das Programm «Comprehensive Assistance to Small Holders» (CASH) zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität eingeführt.
Neben der Durchführung von Bodenanalysen und der Bereitstellung von Coaching bietet das CASH-Programm allen teilnehmenden «Agrarian Reform Beneficiary Organizations» (ARBOs) zusätzliche Unterstützung bei Einkommensmöglichkeiten, ertragreiche Zuckerrohr-Setzlinge sowie Zugang zu weiteren Initiativen zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit durch die Mühlen.
Im Jahr 2022 wurde Nestlé mit dem Bonsucro Inspire Award in der Kategorie «Best Social Sustainability Initiative» ausgezeichnet. Prämiert wurde das integrierte ARBO-Programm zu Kinderarbeit und persönlicher Schutzausrüstung, das Teil der umfassenderen RSS-Initiative ist.
Im Fokus steht, Kinderarbeit nachhaltig zu verhindern und gleichzeitig den richtigen Umgang mit persönlicher Schutzausrüstung bei ARBOs in Negros Occidental auf den Philippinen zu fördern. Ein wichtiger Hebel dabei ist die Stärkung der Führungspersonen in landwirtschaftlichen Organisationen. Durch Wissensvermittlung und partizipative Entscheidungsprozesse werden sie befähigt, zentrale soziale Themen in ihren Gemeinschaften aktiv anzugehen.
Zum Programm gehören auch Bildungsprojekte, die von Erwachsenen begleitet werden, etwa Gemüsegärten oder Wurmkompostierung. Kinder über dem gesetzlichen Mindestalter können sich hier einbringen, praktische Fähigkeiten lernen und gleichzeitig ein kleines Einkommen erzielen.

Unterstützung von Kleinbauernbetrieben in Thailand
In Thailand unterstützen Zuckerabnehmer die Landwirt:innen dabei, ihre Betriebe nach anerkannten Standards wie dem Bonsucro Standard (PDF in englischer Sprache, 2 MB) weiterzuentwickeln. Doch Lösungen zu finden, die sich über Tausende von kleinen Betrieben hinweg umsetzen lassen, bleibt eine echte Herausforderung.
Um die Zuckerproduktion vom Feld bis zur Mühle nachvollziehen zu können, arbeitet Nestlé in Thailand mit FairAgora Asia (FAA) zusammen, einem Beratungsunternehmen mit Fokus auf nachhaltige Landwirtschaft. Im Rahmen des Programms wurde das Datenerhebungs- und Analysetool Verifik8 eingesetzt, um den sozialen und ökologischen Status der Zuckerrohrproduktion zu bewerten. Gleichzeitig ermöglicht Verifik8 den Landwirt:innen, Informationen einfach und direkt mit den Mühlen zu teilen.
Aufbauend auf der Zusammenarbeit mit Nestlé hat FAA später das Online-Tool «CarbonCane Model» entwickelt. Es berechnet die Treibhausgasemissionen entlang der Zuckerproduktion, sowohl auf Ebene der Betriebe als auch der Mühlen. Mithilfe dieses Tools werden Daten erfasst und ausgewertet, um die wichtigsten Emissionstreiber zu identifizieren. So können Landwirt:innen und Mühlen ihre Anbaumethoden gezielt anpassen und ihren CO₂-Fussabdruck Schritt für Schritt reduzieren.
Seit 2017 engagiert sich Nestlé gemeinsam mit FairAgora Asia (FAA) und dem führenden thailändischen Zuckerproduzenten Mitr Phol für ein Programm, das Schulungen, Kapazitätsaufbau und kontinuierliche Verbesserungen im Zuckerrohrsektor vorantreibt.
Die Trainings decken Themen wie Finanzkompetenz, verantwortungsvolle Rekrutierungspraktiken und Anbaumethoden ab, die sowohl die Ernteerträge steigern als auch die Bodenqualität verbessern.
Durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten entlang der Zuckerlieferkette soll das Programm die Bedürfnisse von Zuckerrohrbäuer:innen gezielter unterstützen und sie auf ihrem Weg zu einer verantwortungsvolleren Zuckerproduktion begleiten.


